Donnerstag, 26 Januar 2017 10:29

Wenn Heilige sündigen

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Ich bin in einem säkularen Umfeld aufgewachsen. Als ich mit 21 Jahren zum Glauben an Jesus Christus kam, wusste ich so gut wie nichts über Gott und Sein Wort. So hatte ich viele falsche Ideen über die Nachfolge. Eine davon war, dass ich irgendwann die Sünden (zumindest die großen) in meinem Leben überwunden haben würde und dem Herrn dann wirklich dienen könnte. In der Realität gab es Sünden, die ich mit Gottes Hilfe relativ schnell ablegen konnte, während andere deutlich hartnäckiger waren und sind.

Die Tatsache ist, dass wir diesen Kampf gegen die Sünde in unserem Leben alle miteinander teilen – jeder von uns. Wobei das Ergebnis des Kampfes ja eigentlich schon feststeht, denn Jesus hat für uns den Sieg errungen. Dennoch bestätigt Gottes Wort die Realität des Kampfes. Sogar sehr reife Christen sündigen noch. Denken wir nur an Davids Sünde mit Bathseba, Petrus, der den Herrn verleugnete oder Paulus (Röm. 7,19). Und obwohl Gott uns dazu auffordert heilig zu sein, wie Er heilig ist (1 Pet. 1,16), rechnet Gottes Wort ganz klar damit, dass wir immer wieder straucheln werden (Gal. 6,1; 1 Joh. 1,10). Frustrierend, nicht wahr?

Dabei hätte Gott einfach unsere Sündennatur beseitigen können, damit wir nicht mehr sündigen. Dass Er dazu in der Lage ist, sehen wir daran, dass wir in der Ewigkeit von unserer Sündennatur frei sein werden. Warum lässt uns also unser liebevoller himmlischer Vater noch in diesem Zustand? Warum lässt Er es zu, dass wir gegen Ihn und gegeneinander sündigen und uns dabei selbst Schaden zufügen? Dazu müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass alles was geschieht, zu Seiner Herrlichkeit und unserem Besten geschieht – sogar die Sünde, die Gott zulässt. Das bedeutet, dass Gott etwas gebraucht, das Er hasst, um zu erreichen, was Er liebt.

Welche „positiven“ Auswirkungen mag es haben, dass Gott es zulässt, dass wir sündigen, obwohl Er Sünde hasst? Sicher gibt es weitere Gründe, aber diese sind mir eingefallen:

  • Wir lernen Gottes Güte und Gnade besser kennen.
  • Wir lernen mehr darüber, wie schwach wir wirklich sind.
  • Wir lernen mehr darüber, wie sehr wir von unserem Herrn Jesus abhängig sind.
  • Wir wachsen in unserer Geduld gegenüber unseren Geschwistern, weil wir unsere eigene Fehlbarkeit deutlicher erkennen.

Das alles soll keine Entschuldigung sein, Sünde in unserem Leben zu tolerieren. Vielmehr möchte Gott, dass wir weiter gegen die Sünde kämpfen und sie ablegen. Aber es zeigt uns inmitten unserer Kämpfe auch das Ziel, das Gott damit verfolgt: unser geistliches Wachstum. Und das sollte uns ermutigen nicht aufzugeben, sondern weiter zu kämpfen.

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge [sogar Sünde, die Gott zulässt] zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. (Röm. 8,28)

 

 

 

827 Aufrufe Letzte Änderung am Donnerstag, 14 September 2017 08:58
Oliver Meyer

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